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Hier ein paar Zahlen und Daten zur Hörschädigung.

Hörschädigung – was ist das?

Ursachen

Ein paar Zahlen

Das Besondere des menschlichen Hörens

Wenn man nicht oder nicht gut hört...

Video über die Funktionsweise eines Hörgerätes

Die Kommunikation mit Hörgeschädigten

Wenn Sie selbst schlecht hören - Tipps

Der etwas andere ‚HÖR'-TEST

Vom 'Hören' und 'Nicht hören', von ‚tauben Ohren'
und vom ‚Zuhören' in der Bibel und anderswo

 

Hörschädigung – was ist das?

Bei einer Hörschädigung ist das Hören beeinträchtigt – von einer geringfügigen Minderung des Hörvermögens bis zu seinem vollständigen Ausfall. Manchmal kommen weitere Beeinträchtigungen hinzu (Tinnitus = Ohrgeräusch, Gleichgewichtsstörungen, Sehbehinderung). Weil durch die Beeinträchtigung des Hörens auch das Sprachverstehen behindert ist, geht eine Hörschädigung mit einer - unsichtbaren – Kommunikationsbehinderung einher.

Die Art der Hörschädigung hängt ab vom Zeitpunkt und vom Ausmaß des Hörverlustes. Man unterschiedet zwischen:

Gehörlosigkeit

  • der Hörverlust tritt vor dem Spracherwerb ein, also vor dem 3. Lebensjahr
  • der Hörverlust ist so groß, dass auch mit technischen Hilfsmitteln das Verstehen von Sprache nicht möglich ist
  • der Erwerb von Laut- und Schriftsprache ist sehr erschwert; da Gehörlose ihre Aussprache nicht kontrollieren können, sind sie oft nur schwer zu verstehen
  • Gehörlose haben ihre eigene Sprache – in Deutschland ist es die Deutsche Gebärdensprache (DGS) – und ihre eigene Kultur. Praktisch leben sie als sprachliche Minderheit.

Ertaubung

  • der Hörverlust tritt nach Abschluss des Spracherwerbs ein (3. – 4. Lebensjahr)
  • der Hörverlust ist so groß, dass auch mit technischen Hilfsmitteln das Verstehen von Sprache nicht mehr möglich ist
  • die Betroffenen beherrschen die Laut- und Schriftsprache, sind beim Verstehen der Lautsprache aber auf das Absehen vom Mund angewiesen. Manche benützen lautsprachbegleitende Gebärden (LBG)

Schwerhörigkeit

  • kein vollständiger Hörverlust, das Sprachverstehen ist zumindest mit Hilfe von Hörgeräten noch möglich, u.U. mit Zuhilfenahme weiterer unterstützender Maßnahmen ( Absehen vom Mund, Gebärden); je nach Ursache der Hörschädigung wird Sprache aber nicht nur leiser, sondern auch verzerrt oder nur in Teilstücken wahrgenommen (Bsp.: Von dem Satz „Frage und Antwort sind die Pfeiler der Kommunikation“ hört man: „rage un an wor in die eiler der ommuni a ion“ – den Rest muss man raten…)
  • ein/e Schwerhörige/r kann auch mit guter Hörgeräteversorgung nicht ‚normal’ hören (das ist anders als bei der Brille!), besonders schwierig ist das Sprachverstehen in Gruppen, in unstrukturierten Gesprächssituationen und bei Störgeräuschen
  • Schwerhörigkeit geht nicht selten mit Geräusch(über)empfindlichkeit einher

CI-TrägerInnen

  • Das Cochlea-Implantat (CI) ist eine ins Innenohr implantierte elektronische Hörhilfe. Ein CI ermöglicht kein normales Hören, die Hörbedingungen sind wie bei HörgeräteträgerInnen. CI-TrägerInnen sind ohne CI gehörlos bzw. hochgradig schwerhörig

Zentrale Hörstörungen

  • akustische Signale werden wahrgenommen, aber die Bedeutung dieser Signale wird aufgrund einer Funktionsstörung im Gehirn nicht verstanden
  • Hörsehbehinderung/Taubblindheit
  • Hier geht die Beeinträchtigung bzw. der Verlust des Gehörsinns einher mit einer Beeinträchtigung bzw. dem Verlust des Sehvermögens
Eine Hörschädigung kann unterschiedliche Ursachen haben. Sie kann entstehen

vor der Geburt:

  • durch Vererbung, z.B. Usher-Syndrom
  • durch eine Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft, z.B. Röteln, Mumps
  • durch Alkohol oder bestimmte Medikamente während der Schwangerschaft

während der Geburt:

  • durch Sauerstoffmangel
  • durch Blutgruppenunverträglichkeit

im Lauf des Lebens:

  • durch verschiedene körperliche Krankheiten, z.B. Hirnhautentzündung. Scharlach, Masern, Syphilis, Grippe, Diabetes mellitus (= "Zucker")
  • durch Entzündung des Hörnervs oder chronische Mittelohrentzündung
  • durch Schädigung des Hörnervs durch mechanische oder akustische Reize (Knalltrauma, dauerhaft hohe Lärmbelastung, Unfälle)
  • durch Schädigung des Hörnervs durch toxische (= giftige) Stoffe (z.B. Alkohol, Nikotin, Medikamente)

im Alter:

  • durch die Alterung des Gewebes
  • durch dauerhaft hohe Lärmbelastungen im Laufe des Lebens 
Ein paar Zahlen
  • In Deutschland gibt es etwa 80.000 Gehörlose.
  • Man schätzt, dass 19% der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre hörbeeinträchtigt ist. Das bedeutet: in Deutschland leben 13,4 Millionen schwerhörige Menschen, davon sind ca. 7,5 Millionen leichtgradig, ca. 4,7 Millionen mittelgradig, ca. 1 Million hochgradig und 200.000 Menschen an Taubheit grenzend schwerhörig
  • Mit zunehmendem Alter nimmt der Prozentsatz der Schwerhörigen zu: 1% der 14- bis 19-Jährigen ist schwerhörig, bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 5%, bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 25% und bei den Menschen, die 70 Jahre und älter sind, geht man von 54% aus. Andererseits: 10 % der 80-Jährigen hören normal gut.
  • Der Anteil der ‚zentralen Hörstörungen’, also der Hörstörungen, die nicht auf einer Schädigung des Hörorgans beruhen sondern auf einer Funktionsstörung im Gehirn, liegt unter 1%.
  • Vom Usher-Syndrom, der genetischen Erkrankung, bei der zu der Hörschädigung im Erwachsenenalter noch eine Sehbehinderung dazu kommt, sind 3-5% der Hörgeschädigten betroffen. Für die Gesamtbevölkerung werden 3 Fälle auf 100.000 Einwohner angenommen.
  • Nur 10% der Kinder gehörloser Eltern sind auch gehörlos. 

Und noch ein paar interessante Daten:

  • Zwischen dem ersten spürbaren Eintreten einer Hörminderung bis zum Aufsuchen eines HNO-Arztes vergehen bei Erwachsenen im Durchschnitt sieben Jahre
  • Schätzungen zufolge hat nur jeder 10. Schwerhörige ein Hörgerät, wobei ein erheblicher Prozentsatz davon nicht getragen wird
  • Jährlich werden den Berufsgenossenschaften fast 10.000 neue Fälle von Lärmschwerhörigkeit gemeldet
  • Bei länger dauernden Belastungen durch einen Schallpegel ab 90 dB wird unser Hörvermögen beeinträchtigt, bei einem Lärmpegel über 120 dB kann schon ein einmalig auftretendes Geräusch (Knalltrauma) zu einer dauerhaften Schädigung der Hörzellen im Innenohr führen. Ein paar Lautstärken zum Vergleich:

    - Tropfender Wasserhahn: 20 db
    - Streichholz fällt auf den Tisch: 37 db
    - Menschliche Stimme: 50 – 60 db
    - Staubsauger: 70 db
    - PKW in der Stadt: 80 db
    - Föhn / vielbefahrene Straße: 83 db
    - Quietsch-Entchen am Ohr: 90 db
    - Kreissäge: 100 db
    - Startendes Flugzeug: 110 – 140 db
    - Laute Disco: 110 db
    - Spielzeugpistole: 150 db
  • Für zwei Hörgeräte müssen Betroffene eine Eigenleistung bis 4.000 € erbringen – und das im Durchschnitt alle 6 Jahre. Dazu kommen die ständigen Kosten für die Batterien.
  • Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wird ein Anteil von ca. 20% der Sendungen untertitelt, bei den meisten Privatsendern gibt es keine Untertitelung. GebärdensprachdolmetscherInnen werden nur bei sehr wenigen Sendungen eingeblendet.

 

Das Besondere des menschlichen Hörens

Sieben oder acht Tage nach der Befruchtung der weiblichen Eizelle kann man erkennen, dass die Bildung der Ohren beim Embryo beginnt. Viereinhalb Monate nach der Befruchtung ist unser eigentliches Hörorgan, das Innenohr (Labyrinth mit Cochlea), komplett fertig – und zwar in seiner endgültigen Größe.

Am Ende des Lebens erlischt der Hörsinn in der Regel als letzter unserer Sinne.

Ohren lassen sich nicht schließen, d.h. sie sind 24 Stunden am Tag im Einsatz, ständig auf Empfang.

Töne und Klänge haben eine emotionale Bedeutung und lösen Gefühle in uns aus.

Unser Hörsinn ist von allen fünf Sinnen der empfindlichste. Er ist genauer und leistungsfähiger als unser Auge: So ist der Wahrnehmungsspielraum unseres Auges etwa eine Oktav breit, der des Ohres umfasst ungefähr zehn Oktaven. Dabei misst es mit mathematischer Genauigkeit: Jeder kann die Stimmigkeit einer Oktave genau erkennen (d.h. das Verhältnis der Schwingungen zueinander), das Auge kann nur schätzen. Der Gehörsinn kann bis zu 400.000 Töne unterscheiden. Außerdem kann das Ohr bis auf 5° genau angeben, aus welcher Richtung ein Ton kommt. Das Ohr ist fast siebenmal schneller als das Auge: während das Auge 20/1.000 Sekunden braucht, um zwei aufeinander folgende Reize noch unterscheiden zu können, braucht das Ohr lediglich 3/1.000 Sekunden.

Dieses hochempfindliche und leistungsfähige Organ wird besonders geschützt: es ist vom Felsenbein umgeben - das mit Abstand härteste Knochengebilde des menschlichen Körpers.

Wir brauchen den Hörsinn

  • für den Spracherwerb und für das Verstehen von Sprache
  • zur Kommunikation
  • zur Orientierung in der Umgebung
  • als Alarmsystem : er macht uns auf Gefahren aufmerksam.

 

Wenn man nicht oder nicht gut hört...

… ist es sehr schwierig, die Laut- und Schriftsprache zu erlernen

Das bedeutet zum Beispiel:

  • gehörlose Kinder, die unter Hörenden aufwachsen, haben bei der Einschulung einen aktiven Wortschatz von ca. 300 Wörtern, hörende Kinder haben im Durchschnitt einen aktiven Wortschatz von ca. 5100 Wörtern
  • Geschriebenes ist für viele Gehörlose schwierig zu verstehen (z.B. Formulare, Gebrauchsanweisungen, Zeitungsartikel, schriftliche Informationen)
  • Bedeutungen, Zusammenhänge, Hintergründe, Ursachen bleiben oft undurchschaubar und rätselhaft

… kann man sich nur schwer mit hörenden Menschen verständigen

Das bedeutet zum Beispiel:

  • jede einfache Unterhaltung ist eine große Anstrengung, Gespräche mit mehreren hörenden Menschen sind unmöglich
  • die Möglichkeit, mit Hörenden in Kontakt zu kommen, ist sehr eingeschränkt
  • der Austausch mit Nachbarn, Arbeitskollegen usw. beschränkt sich meist auf Grußformeln bzw. den notwendigsten Informationsaustausch
  • im Krankenhaus, auf Ämtern, bei Elternabenden versteht man viele Informationen nicht oder man ist auf DolmetscherInnen angewiesen
  • bei Feiern und Festen bekommt man von der Unterhaltung so gut wie nichts mit, dafür ist der allgemeine Geräuschpegel u.U. doppelt laut wahrnehmbar
  • Missverständnisse sind an der Tagesordnung, entsprechend viele Konflikte entstehen

… ist man von vielen Ereignissen oder Vorgängen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens ausgeschlossen

Das bedeutet zum Beispiel:

  • die Berufswahl ist stark eingeschränkt
  • in der Kirche ist das meiste unverständlich
  • Vorträge, Kino, Theater, Führungen sind nur mit Hilfen zu verstehen (Untertitel, Höranlagen, DolmetscherInnen) – und diese Hilfen werden nur selten zur Verfügung gestellt

… können Radio und Telefon nicht, Fernseher nur sehr eingeschränkt genutzt werden

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Terminabsprachen mit Arzt, Friseur, Handwerkern sind kompliziert und zeitaufwändig
  • viele Nachrichten und Informationen bekommt man nicht mit

… können wichtige akustische Signale nicht wahrgenommen werden

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Durchsagen auf Bahnhöfen und Flughäfen, Aufrufe im Wartezimmer des Arztes, im Finanz- oder Arbeitsamt bekommt man nicht mit
  • Sirenen, Martinshorn, Hupen, die vor Gefahren warnen, bemerkt man nicht

… muss man für alle Lebensvollzüge, die mit Sprache zu tun haben, viel mehr Zeit, Mühe und Anstrengung aufwenden als ein Guthörender

Das bedeutet zum Beispiel:

  • für Beziehung und Gemeinschaft
  • für das Lesen von Texten
  • für jegliche Art des Wissenserwerbs (Allgemeinwissen, Informationen zur Bewältigung des Alltags, berufliche Fort- und Weiterbildung etc.)

 


 

Und hier ein Video über die Funktionsweise eines Hörgerätes
(leider ohne Untertitel)

{youtube}lKwUDcaMWro{/youtube}

 

Die Kommunikation mit Hörgeschädigten

Die Kommunikation der Gehörlosen findet über das Sehen statt (Gebärden, Mundbild, Mimik, Gestik, Körpersprache). Für Ertaubte und Schwerhörige ist der Sehsinn die wichtigste Hilfe bei der Kommunikation (Absehen vom Mund, Gebärden, schriftlich). Taubblinde kommunizieren über das Fühlen (Lormen = in die Hand buchstabieren, taktiles Gebärden = Gebärden werden erfühlt,).

Die Kommunikation zwischen Hörgeschädigten und Hörenden ist beeinträchtigt und es kommt zu vielen Missverständnissen. Das hat verschiedene Gründe:

  • Gebärdensprache und Deutsch sind zwei unterschiedliche Sprachen.
  • Das Absehen vom Mund ist schwierig: Im Deutschen gibt es ca. 40 verschiedene Sprachlaute, aber nur 11 eindeutig zu unterscheidende Absehgestalten, viele Worte sind also optisch nicht zu unterscheiden (Bsp.: Mutter – Butter), d.h. nur ca. 30 % der Lautsprache kann tatsächlich abgesehen werden, der Rest muss kombiniert werden; so erfordert das Absehen eine hohe Konzentration.
  • Den Hörgeschädigten entgeht alles, was über den Klang der Stimme mitvermittelt wird (z.B. der emotionale Gehalt einer Botschaft, Ironie).
  • Da Gehörlose keine Möglichkeit haben, ihr eigenes Sprechen zu kontrollieren, kann es zu unangepasster Lautstärke, mangelhafter Aussprache und fehlerhafter Grammatik kommen.

Die Kommunikation zwischen Hörgeschädigten und Hörenden wird um einiges erleichtert, wenn man einige Regeln beachtet (s. unten ‚Tipps’). Wenn beide Seiten außerdem etwas guten Willen und Geduld mitbringen, lassen sich Kommunikationsprobleme in der Regel überwinden.

 

 

Beginnen Sie erst, wenn der andere Sie anschaut und halten Sie beim Sprechen BLICKKONTAKT.

Achten Sie darauf, dass Ihr Gesicht gut BELEUCHTET ist (Gegenlicht vermeiden).

Ihr SPRECHTEMPO sollte nicht zu schnell sein.

Legen Sie immer wieder KLEINE PAUSEN ein, führen Sie keine zu langen Gespräche.

Sprechen Sie in normaler LAUTSTÄRKE. Anschreien hilft nicht.

Verwenden Sie KURZE, aber vollständige SÄTZE.

Vermeiden Sie FREMDWÖRTER und DIALEKT.

Geben Sie das jeweilige GESPRÄCHSTHEMA am Anfang bekannt.

Sprechen Sie mit deutlichem MUNDBILD (= Mundbewegungen), aber nicht übertrieben; achten Sie darauf, dass man den Mund immer gut sehen kann (keine Hand oder Mikrofon vor dem Mund; keine Zigarette oder Kaugummi im Mund; auch ein Bart kann den Mund verdecken).

Unterstützen Sie das, was Sie sagen durch natürliche GESTEN, MIMIK, und KÖRPERSPRACHE – das hilft verstehen und ersetzt das, was in der Lautsprache mit der Sprachmelodie vermittelt wird.

Suchen Sie einen RUHIGEN GESPRÄCHSORT auf (ohne zu viele Störgeräusche).

VERGEWISSERN Sie sich immer wieder, ob alles richtig verstanden wurde, fragen Sie nach, was verstanden wurde, scheuen Sie keine Wiederholungen, klären Sie Missverständnisse offen und freundlich.

SCHREIBEN Sie wichtige Informationen auf (Termine, Namen, Adressen).

Lernen Sie ein paar Gebärden und das FINGERALPHABET, wenn Sie häufiger mit Hörgeschädigten zu tun haben.

Nehmen Sie die Angebote der FACHDIENSTE für Hörgeschädigte und GEBÄRDENSPRACHDOLMETSCHER/INNEN in Anspruch.

 

 

Wenn Sie selbst schlecht hören - Tipps

So können Sie Ihre Hör- und Kommunikationssituation verbessern:

Versuchen Sie NICHT, Ihre Hörschädigung zu VERHEIMLICHEN und Ihr Hörgerät zu VERSTECKEN.
Achten Sie auf einen für Sie GÜNSTIGEN PLATZ; achten Sie darauf, dass das Gesicht Ihres Gesprächspartners gut beleuchtet ist.

Achten Sie auf alle OPTISCHEN REIZE (Gesichtsausdruck, Gesten, Körpersprache).

ERKLÄREN Sie Ihrem/Ihrer GesprächspartnerIn, wie er/sie SPRECHEN und sich VERHALTEN soll, dass Sie besser verstehen; scheuen Sie sich nicht – immer wieder (!) –, Lautstärke und Sprechtempo zu korrigieren.

Setzen Sie GEZIELTE NACHFRAGEN ein, d.h. fragen Sie nicht einfach „Was?“ oder „Wie bitte?“, sondern wiederholen Sie, was Sie schon verstanden haben.

GEBEN SIE ZU, wenn Sie etwas nicht verstanden haben, wenn Sie müde sind und sich nicht mehr konzentrieren können.

Scheuen Sie sich auch nicht, AUFSCHREIBEN ZU LASSEN, was Sie nicht verstanden haben.

Sprechen Sie über Ihre ENTTÄUSCHUNG und Ihren ÄRGER, wenn die Kommunikation schwierig ist oder nicht klappt.

Was Sie sonst noch tun können:

Nehmen Sie HINWEISE Ihrer Umgebung ernst, dass Sie schlechter hören.
BENUTZEN Sie ein Hörgerät und nehmen Sie technische Hilfsmittel in Anspruch (Verstärker für Telefon, Höranlage für Fernseher, Lichtwecker/-klingel etc.).

Nehmen Sie an einem ABSEHKURS teil.

Nehmen Sie die Angebote von VEREINEN, SELBSTHILFEGRUPPEN und BERATUNGSSTELLEN in Anspruch.

Beantragen Sie u.U. die ANERKENNUNG als SCHWERBEHINDERTE/R.

 

 

Der etwas andere ‚HÖR’-TEST

für Hörende, Schwerhörige, Ertaubte, CI-TrägerInnen, Gehörlose...

'Gut Hören' bedeutet mehr als gute Ohren oder einen gut funktionierenden Hörsinn zu haben, denn: „Man hört nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Ohren unhörbar.“ (nach Antoine de Saint-Exupéry) . Bei dem folgenden 'HÖR'-Test geht es um das 'Hören mit dem Herzen':
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Können Sie ‚zuhören’, wenn …

Bleiben Sie aufmerksam und zugewandt, wenn …
 ... Ihnen jemand etwas schon zum 5. Mal erzählt? 

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Können Sie ruhig ‚zuhören’, auch wenn …

Bleiben Sie sachlich und ruhig, auch wenn …
 ... etwas Falsches gesagt wird? 

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Können Sie ‚zuhören’, wenn …

Bleiben Sie gelassen und prüfen Sie ehrlich, ob etwas Wahres‚dran’ ist, wenn …
 ... jemand Ihnen Vorwürfe macht oder Sie kritisiert? 

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Können Sie ‚hören’, …

Können Sie spüren und verstehen, …
 ... was Schweigende sagen wollen?

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Können Sie ‚hören’, …

Können Sie wahrnehmen, …
 ... was ein Kind beschäftigt oder was es braucht? 

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Können Sie ‚hören’, wenn …

Lassen Sie sich bewegen, wenn …
 ... jemand in Not ist, wenn jemand Ihre Hilfe und Unterstützung braucht? 

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Können Sie ‚hören’, wenn …

Lassen Sie sich ansprechen und berühren, wenn ...
 ... Menschen und Tiere leiden, wenn die Natur missbraucht und ausgebeutet wird? 

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Können Sie ‚hören’, …

Sind Sie offen für das, ...
 ... was Gott Ihnen sagen möchte? 

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Können Sie ‚hören’?

Können Sie also mit dem Herzen wahrnehmen? 

 

(Nach einer unbekannten Quelle)

 

 

Vom 'Hören' und 'Nicht hören', von ‚tauben Ohren’ und vom ‚Zuhören’ in der Bibel und anderswo

Ausgewählte Bibelstellen

"Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott; der Herr ist einer!" (Deuteronomium 6,4) – mit diesem Satz aus dem Alten Testament beginnen Juden bis heute ihre Gebete und Gottesdienste "Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz" (1 Könige 3,9) – die Bitte Salomos

"Wende mir Dein Ohr zu, Herr, und höre!" (2 Könige 19,16; Psalmen) – so flehen Menschen im Alten Testament immer wieder

"Zügle deinen Schritt, wenn du zum Gotteshaus gehst. Tritt ein, um zuzuhören, und nicht, wie die Ungebildeten, um Opfer abzugeben." (Kohelet 4,17)

"Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten. Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor und Bäche fließen in der Steppe. " (Jessaja 35, 4-6)

"Wer Ohren hat zu hören, der höre" (Matthäus, Offenbarung)

"Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen. " (Matthäus 13,13; vgl. Psalm 115)

"Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden." (Markus 7,32-35)

"Der Glaube kommt vom Hören" (Römer 10,17)

"Hört das Wort nicht nur an, sondern tut es; sonst betrügt ihr euch selbst." (Jakobus 1,22)


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Zitate

"Blindheit trennt von Dingen, Taubheit trennt von Menschen." - Helen Keller

"Das Auge ist der Spiegel, das Ohr ist das Tor zur Seele." - Indonesisches Sprichwort

"Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein." - Lorenz Oken

"Denn wenn du die Menschen verstehen willst, darfst du nicht auf ihre Reden hören." - Antoine de Saint-Exupéry

Als mein Gebet Immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht sich selbst reden hören. Beten heißt: Still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört. - Sören Kierkegaard